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PNP vom 19.10.2009


Entfaltung in Grenzen

12. Europäisches Jugend-Musik-Festival Passau startet mit Orchesterkonzert


Von H. Schmidt
Wäre nicht die sattsam bekannt leidige Rathaussaal-Akustik, hätte das Eröffnungskonzert zum 12. Europäischen Jugend-Musik-Festival Passau gänzlich ein Glücksfall, ein Volltreffer sein können. Der 23-jährige belgisch-bulgarische Geiger Yossif Ivanov riss trotz aller räumlichen Unpässlichkeiten am Freitagabend die Zuhörer mit dem Tschaikowsky-Konzert hin. Und die um Mitglieder des Orchesters der Anton-Bruckner-Universität Linz verstärkte Niederbayerische Philharmonie zeigte sich unter Basil H. E. Coleman hoch motiviert und in jeder Hinsicht allen Anforderungen mehr als gewachsen.

- Diesen Namen sollte man sich merken -

Wenn dann die Orchester-Tutti im Fortissimo immer wieder klangen wie eine übersteuerte Aufnahme, ist das eben den Umständen, nicht den Musikern zuzuschreiben. Ein leises Fortissimo gibt es nun einmal nicht.
Der junge Yossif Ivanov - diesen Namen sollte man sich merken - ist erzmusikalisch, technisch brillant, eigenwillig, und er hat eine faszinierende Ausstrahlung, die ihn auch außerordentlich medientauglich macht. Weit unter der virtuosen Oberfläche von Peter Tschaikowskys berühmten Violinkonzert wurde der Musiker in Sachen Substanz fündig und mied tunlichst Grenzüberschreitungen zu sentimentalen Klischees, ohne - wie im Andante - die Poesie außen vor zu lassen. Im Kopfsatz und im Rondo-Finale verströmte der Geiger unendliche Energie und wies mit eigenwilliger Phrasierung auf völlig neue Aspekte dieses ursprünglich als unspielbar geltenden Soloparts. Ivanovs Tongebung ist weit gefächert von sonor bis raumtragend sphärisch und ausgestattet mit einer unerschöpflichen Farbpalette. Dies offenbarte sich auch in der Zugabe: Paganini.

Das Orchester begleitete unter Coleman differenziert-partnerschaftlich, nutzte aber auch die wenigen Momente eigener Dominanz selbstbewusst aus. So auch am Beginn des Abends in Felix Mendelssohn Bartholdys glänzender Ouvertüre „Ruy Blas“, einer Bühnenmusik zu Victor Hugos gleichnamigen Drama. Obwohl der Komponist Hugos Stück von Herzen verabscheute, reizte ihn doch die Aufgabe. Innerhalb von drei Tagen war die Partitur fertig: ein Zeugnis perfekten handwerklichen Könnens, virtuoser Handhabung des romantischen Orchesters und im Tonfall reinster Mendelssohn. Der gelang dem Orchester unter Coleman ausgezeichnet, der die dramatischen Aspekte der Ouvertüre hervorhob: Ein Bravourstück bravourös gespielt.
In Antonin Dvoraks 7. Symphonie konnten sich die Musiker schließlich ganz auf Höhenflug begeben. Sie ist nicht des Meisters populärste, aber substanziell sehr wahrscheinlich beste Symphonie, die sich romantisch vom dunklen d-Moll am Ende zu Sieg und Freude in hellem D-Dur wendet. Coleman setzte auf Temperament und harte Konturen, dramatische Akzente und forderte seine Musiker in klug gesetzter Agogik zu großer Aufmerksamkeit heraus. Besonders plastisch und rhythmisch kantig gestaltet war der dritte Satz (Scherzo: Vivace) in seinem tragischen Grundcharakter, der nur im Mittelteil durchbrochen wird. Nach dem fulminanten Ende der Symphonie gab es kein Halten mehr. Die Freude der Zuhörer ob der gerade erlebten enormen Musizierfreude machte sich in frenetischem Beifall Luft. Man hatte wieder einen hervorragenden Start des Passauer Jugend-Musik-Festivals erlebt, das bis zum 8. November neben einem dreitägigen Meisterkurs des Cellisten und Dirigenten Heinrich Schiff noch sieben Veranstaltungen bietet.

 

 

 

 

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