Young Classic

Pressekritiken

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PNP, 27. September 2017:
Seit 20 Jahren jung
Passauer Jugend-Musikfestival „Young Classic Europe“ feiert mit Audi-Jugendchorakademie und Pianistin Olga Scheps
von Edith Rabenstein

Er kann zufrieden auf das zurückblicken, was er geschaffen hat: Iwan Bakalow, Gründer des Festivals Young Classic Europe, feiert heuer das 20-jährige Bestehen seines Festivals. „20 Jahre sind schnell vergangen. Ich kann mich erinnern, als ob es gestern gewesenwäre. Die ersten Schritte waren bescheiden mit 5000 DMark von der Stadt Passau. Es gab auch große Unsicherheit und Skepsis, ob ich es schaffen werde, die Reihe zu etablieren“, erinnert er sich. Heute ist das Festival ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft Passaus und der Region geworden. Der Etat fürs Jubiläumsfestival beträgt 70 000 Euro.

Bach und zeitgenössische Chormusik
Der Geiger, bis vor fünf Jahren festes Ensemblemitglied bei der  Niederbayerischen Philharmonie, hat es mit Fleiß, Vernetzung und guter Kontaktpflege geschafft. Bestes Beispiel ist Olga Scheps, die sich Young Classic Europe verbunden fühlt und zum Jubiläum kommt. Vor sieben Jahren spielte sie hier das erste Mal. Die Moskauerin gastiert heute in allen großen Sälen. In Passau spielt sie ein Programmmit Werken von Franz Schubert, Erik Satie und Peter Tschaikowsky (5.11.). Ein Coup ist dem Festivalleiter gelungen, die Audi-Jugendchorakademie nach Passau zu holen. Dirigent Martin Steidler kommt mit Schlagzeuger Simone Rubino und den Solisten Georg Staudacher (Orgel), Walter Rumer (Violine), Kelvin Hawthore (Bratsche), Katerina Giannitsioti (Violincello). Musikprofessor Steidler hat ein exklusives Programm zusammengestellt mit – neben Stücken von Bach – zeitgenössischer Chormusik. Damit der Besucher Stücke und Komponisten einordnen kann, gibt es ab 18.30 Uhr ein Gesprächmit Martin Steidler, das Feuilleton-Leiter Raimund Meisenberger moderiert (3.11.). Eine Besonderheit des Festivals sind seit 2002 die Meisterkurse. Heuer findet ein Klaviermeisterkurs mit Andreas Weber statt mit Konzert der Kursteilnehmer (19.11.). Traditionell eröffnet wird das Festival mit der Niederbayerischen Philharmonie unter GMD Basil Coleman, diesmal mit dem Violinsolisten Andrey Baranov (20.10.). Ebenso hat es schon Tradition, dass das Sinfonieorchester des MusischenGymnasiums Salzburg unter Markus Obereder das Festival beschließt, heuer mit Cellistin Nadège Rochat (26.11.).

Niederbayerische Philharmonie zum Autakt
Die weiteren Konzerte: Preisträger des Wettbewerbs Jugend musiziert stellen sich vor (24.10.). Thibaut Garcia gibt ein Gitarrenkonzert mit Werken von u. a. Bach und Piazzolla (26.10.). Das Amatis Klaviertrio musiziert Werke von u. a. Beethoven und Mendelssohn (28.10.). Das Perkussionsensemble Akzent interpretiert Musik u. a. von Vivaldi, Schubert und Brahms (10.11.). Malina Ciobanu (Violine), Jiyayin Li und Curtis Hsu (Klavier) präsentieren sich als „Neue Namen“ (23.11.). Die Podiumsdiskussion in der „Kulturcafete“ der Uni schäftigt sich mit dem Thema „Die Reformation und ihre Auswirkung auf die geistliche Musik in Europa“ (24.11.).

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PNP, 23. Oktober 2017:
Toller Solist, hervorragendes Orchester
Jubiläumskonzert des 20. Europäischen Jugend Musikfestivals im Passauer Rathaussaal
Von Christiane Schmid

Mit Mendelssohn, Brahms und Beethoven eröffnete die Niederbayerische Philharmonie im Großen Rathaussaal Passau das 20. Europäische Jugend Musikfestival Young Classic Europe. Und wieder einmal wurde berdeutlich hörbar,wie dringend die Dreiflüssestadt einen Konzertsaal braucht. Mit der kurzen, selten gespielten Ruy Blas Ouvertüre von Mendelssohn-Bartholdy setzte Generalmusikdirektor Basil Coleman, musikalischer Chef des Landestheaters Niederbayern, gleich den richtigen Auftakt. Der Komponist hatte nach eigenen Worten „unsäglichen Spaß“ beim Komponieren des strahlenden Stücks und das Publikum beim Hören.
Für die jungen Künstler kann das Festival nachhaltig und prägend sein, und etliche kommen aus Sympathie wieder. So einer ist auch der Star des Abends und vielfache Preisträger, der russische Geiger Andrey Baranov, der 2014 in Passau mit Tschaikowsky Furore machte. Er ist mittlerweile weltweit als Solist und Primgeiger des von ihm gegründeten David-Oistrach-Quartetts unterwegs. Baranov hat sich das melodieselige Violinkonzert D-Dur op.77 von Johannes Brahms ausgesucht. Hier ist das Soloinstrument mit dem Orchester in ein symphonisches Gesamtgewebe verflochten. Trotzdem konnte der Künstler virtuos und kraftvoll brillieren.
Die technischen Anforderungen des Konzerts sind hoch. Natürlich meistert ein Virtuose wie Baranov bravourös halsbrecherische Doppelgriffpassagen, rasende Läufe und Akkordbrechungen. Musikalisch „interessanter“ ist sein Reichtum an Stimmungen und Farben, das expressiv Glühende, Ungestüme und manchmal allzu Aufgeladene seines Tons. So klang es oft eher nach Tschaikowsky als nach Brahms. Das Publikum war begeistert, und der Künstler bedankte sich mit Paganini und Bach.
Trotz des bejubelten Solokonzerts blieb jedoch die „Eroica“ Siegerin des Abends. Mit Verve und gewohnt versiert stürzte sich Basil Coleman mit dem hervorragend aufspielenden Orchester, der Niederbayerischen Philharmonie (besonderes Lob den Bläsern!) in den schier unendlichen Ideenkosmos von Beethovens 3. Symphonie in Es-Dur. Ein helles Klangbild und vorwärts drängender Schwung bestimmten den Eindruck. Auch der Trauermarsch des 2. Satzes blieb dynamisch und fügte sich in den schlackenlosen Gesamtbogen. Die ungeheuere Spannung hielt das Publikum bis zum triumphalen Schluss in Atem.

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PNP, 24. Oktober 2017:
Festival Young Classic feiert sein 20-Jähriges
Gebührender Festabend in der Niedernburg-Aula

Auf sein 20-jähriges Bestehen blickt das Europäische Jugend-Musikfestvial „Young Classic Europe“ zurück. Das Jubiläum wurde mit einem Festabend am Samstag in der Aula der Niedernburger Schulen gefeiert. Mit dabei waren Ehrengäste, Vereinsmitglieder, Helfer und gute Freunde, die teils von weit her zur Jubiläumsfeier gekommen waren.
In ihren Ansprachen schilderten und priesen OB Jürgen Dupper und Niederburg-Schulleiter Rudolf Nerl, der selbst stellvertretender Festivalvereinsvorsitzender ist, die Entwicklung und Bedeutung des Jugendfestivals und die prägende Rolle des Festivalleiters Ivan Bakalow. Die Gäste feierten gut gelaunt bis spät in die Nacht. Freilich brauchte eine Feier zu diesem Anlass einen erstklassigen musikalischen Rahmen – den gab der Veranstaltung das junge „Feuerbach“-Quartett. Das Europäische Jugend-Musikfestival hatte vor 20 Jahren eine Handvoll Enthusiasten ins Leben gerufen, seit 2011 trägt es den Titel „Young Classic Europe“. Seit 1998 gaben Jahr für Jahr im Oktober und November zahlreiche hochbegabte junge Musiker, Chöre, Orchester, Solisten, Sänder und Kammerformationen aus 42 Ländern ihr Bestes. Das Festival genießt einen hervorragenden Ruf weit über die Grenzen Passaus und Niederbayerns hinaus.
„Ich glaube sagen zu dürfen, dass Young Classic Europe in diesen 20 Jahren zu einer deutlichen Belebung der Jugendmusikszene in Passau und der Region beigetragen hat“, meint der Gründer und Leiter Ivan Bakalow – und das blieb gerade an diesem Abend absolut unwidersprochen.

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PNP, 27. Oktober 2017:
Musikalischer Grund zum Feiern
Preisträger-Konzert beim Festival „Young Classic Europe“
Von Toni Daumerlang

Da kam tatsächlich allerhand zusammen, was gefeiert werden durfte: Das bereits 20-jährige Bestehen des renommierten und inzwischen bestens etablierten Jugend-Musik-Festivals „Young Classic Europe“ unter der rührigen Leitung seines Gründers und Mentors IvanBakalow, die bereits seit 25 Jahren bestehenden Musikschulen des Landkreises Passau und nicht zuletzt eine in den letzten Jahren erfreuliche Häufung junger Preisträger und Talente im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert“. Der Vorsitzende des Regional-Ausschusses Niederbayern-Ost und künftige Leiter der Musikschulen im Landkreis Passau, Kurt Brunner, leitete in bekannt locker-kompetenter Art durch einen musikalisch interessanten Abend, der in jeder Hinsicht lohnte.
Gleich der erst zwölfjährige Leo Heinrich erfreute bei seinem einleitenden Scarlatti-Allegromit bestimmt-energischem Anschlag und ergänzte diesen Eindruck bei Chopin mit erstaunlicher Reife und interpretatorischer Tiefe. Dabei gestaltete er das berühmte „Regentropfen-Prélude“, mit dem Chopin seine Depressionen während seiner schwierigen Phase auf Mallorca musikalisch vertonte, mit sehr viel Sentiment und Tiefgang.
Mit J. Turinas (1882-1949) „Danses Gitanes“ (op. 55) versprühte er in jugendlich- temperamentvoller Art viel feuriges Kolorit und erstaunte mit seinem übrigens völlig auswendig interpretierten und absolut fehlerlosen Gesamt-Vortrag. Im anschließenden Konzert für Harfe, B-Dur, op.4/Nr.6 von G. Fr. Händel (original für Orgel und Streicher) zeigte die junge Harfenistin Anna Orttenburger – immerhin auch erst 13 Jahre alt und ebenso auswendig interpretierend – mit profunder Technik im wahrsten Sinn des Wortes erstaunliches Fingerspitzengefühl und vermittelte trotz aller Anspannung bemerkenswerte Konzentration. Sie vermittelte damit zugleich erfrischend-echte Live-Atmosphäre, die man tatsächlich so nur im Konzertsaal und nicht beim mitunter sterilen Abspielen einer CD im heimatlichen Wohnzimmer erleben kann.
Das nachfolgende Saxophon-Duo Andreas Froschermaier und Philipp Maierhofer – schon mehrfach und so auch 2017 auf Landes- und Bundesebene ausgezeichnet – erfreute bei seinen sehr facettenreich pointierten Interpretationen durch viel Spontanität. Insbesondere bei den auch in dieser Besetzung hochwirksamen Bach-Inventionen warf es sich mit erkennbarem Spaß, aber dem durchaus notwendigen Tiefgang sehr gekonnt die thematischen Bälle zu. Bei den beiden nachfolgenden Stücken von Nigel Wood (1960/Elegy und Virtual Velocity) waren die Anforderungen wegen der dissonanten Setzweise und rhythmischen Vertracktheit erkennbar noch um einiges höhergeschraubt, was aber den Musizier-Spaß der beiden Solisten noch zu fördern schien. Das jazzige Duett von Lennie Niehaus (1929) schließlich war Höhepunkt des Vortrags bezüglich technischer Virtuosität, präziser Rhythmik und Musizierweise der beiden im wörtlichen Sinn „ausgezeichneten“ Solisten–Respekt! Das abschließende Duo Katja Maderer (Sopran) und Firmian Drost (Klavier) erwies sich mit seinem ebenso anspruchsvollen wie begeisternden Programm als krönender Abschluss eines mit viel Sinn für Wirkung zusammengestellten Programms und bekräftigte dadurch eindrucksvoll seine Mehrfach-Auszeichnungen auf Landes- wie Bundesebene.
Katja Maderer mit ihren immerhin erst 16 Jahren zeigte bei höchst anspruchsvollen Liedern und Arien (u.a. von Purcell, Schumann, Mozart und Strauss) eine erstaunliche Reife und Tiefe:
Glasklare Intonation, Ausgeglichenheit in allen Lagenund große Modulationsfähigkeit in Artikulation und Dynamik waren die herausragendsten Merkpunkte ihrer Interpretationen – und dies alles bei einer natürlichen Bühnen-Präsenz, die man normalerweise nicht von einer 16-Jährigen erwarten kann. Selbst bei bekannt heiklen Partien wie etwa den beiden Strauss-Liedern („DieNacht“ und „Zueignung“)undden anspruchsvollen Arien von Mozart (Ach, ich fühl‘s“) und Puccini („Quando me‘n vo“) präsentierte sie sich auf gleichbleibend hohem Niveau.
Eine nicht hoch genug wertzuschätzende, von Kritikern allerdings mitunter vernachlässigte Rolle spielte Firmian Drost,der als einfühlsamer Begleiter mit pianistischer Sicherheit, motivischen Impulsen und großer Souveränität der Sopranistin jederzeit Sicherheit und Halt bot. Für dieses Duo mit Recht ein großes „Bravo“! Begeisterter Beifall beendete einen erfüllten Musik-Abend, der im Hinblick auf die nachkommende Musikgeneration im Passauer Land Mut macht.

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PNP, 30. Oktober 2017:
Hochgenuss in der Niedernburg-Aula
Das Amatis Klaviertrio begeistert am Samstagabend mit Emotion und Perfektion
Von Teresa Kaiser

Die Auftaktwoche des Europäischen Jugendmusikfestivals „Young Classic Europe“ machte dem ausgezeichneten Ruf der Veranstaltungsreihe alle Ehre. Zu Beginn der Woche startete das Festival auf beeindruckendeWeise mit den Darbietungen des Musiknachwuchses, den Jugend musiziert-Preisträgern aus Passau und Umgebung, und steigerte sich noch beim begeistert aufgenommenen Auftritt des franko-spanischen Gitarristen Thibaut Garcia.
Am Samstagabend gipfelte der musikalische Hochgenuss im Programm des Amatis Klaviertrios. Das 2013 gegründete Klaviertrio besteht aus der deutschen Violinistin Lea Hausmann, dem britischen Cellisten Samuel Sheperd und dem chinesisch-niederländischen Pianisten Mengjie Han. Mit Auftritten auf zahlreichen Festivals in ganz Europa und eigenen Konzerten auf der ganzen Welt, von New York bis Hongkong, beweist das Trio immer wieder sein Talent und seine Kreativität und wird dafür immer wieder mit erstklassigen Preisen und Awards ausgezeichnet.
In der Passauer Niedernburg-Aula begeisterte das Amatis Klaviertrio sein Publikum mit einem anspruchsvollen Programm. In technischer Perfektion bot die Gruppe Klaviertrios von Beethoven, Schostakowitsch und Mendelssohn-Bartholdy und eine Elegie von Suk dar. Dabei überzeugte das Trio nicht nur damit, dass es fehlerfrei und im Einklang aufeinander abgestimmt zusammenspielte.
Die drei Musiker erzählten dank ihrer ausdrucksvollen Darbietung eine Geschichte und hauchten den ausgewählten Stücken so auf eindrucksvolle Weise Leben ein. Im Ablauf des Programms rief das Trio unterschiedlichste Emotionen hervor, von sanften Klängen über leidenschaftliche Passagen bis hin zu locker-leichten Tönen. Diese Ausdrucksstärke übertrug sich auch auf die Zuhörer und verschaffte an einigen Stellen eine wohlige Gänsehaut. Gründer und Leiter des „Young Classic Europe“ Festivals, Ivan Bakalow, schwärmte im Anschluss von einem „musikalischen Hochgenuss“. Auch vom Publikum wurde das Amatis Klaviertrio für diese außergewöhnliche Darbietung mit Begeisterung und minutenlangem Applaus belohnt. Mit einer Zugabe rundete das Trio den gelungenen Abend ab.

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PNP, 31. Oktober 2017:
Chor trifft Schlagzeug
Audi Jugendchorakademie singt am Freitag bei Young Classic in Passau

Kent Nagano ist erklärter Fan. Als er zur Eröffnung der Elbphilharmonie Jörg Widmanns Oratorium „Arche“ aufführen wollte, rief er bei Martin Steidler an und sagte, er brauche einen „Hoch-Präzisions-Chor“. Er meinte damit die 2008 vom Münchner Professor für Chorleitung gegründete Audi Jugendchorakademie, in der heute insgesamt 80 hochbegabte
Chorsänger zwischen 16 und 27 Jahren ausdemganzen Bundesgebiet ihr Können verfeinern und – auch dank Nagano – inzwischen in Hamburg, Singapur und im Vatikan aufgetreten sind.
Zum zweiten Mal seit Bestehen tritt dieser ChoramFreitag, 3. November, in Martin Steidlers Heimatstadt Passau auf: um 19.30 Uhr beim Festival Young Classic Europe im Rathaussaal. Das Programmvereint Barock und zeitgenössische Musik ebenso wie Chor und Schlagwerk, Hauptsolist ist der italienische Schlagzeuger Simone Rubino, Sieger des ARDMusikwettbewerbs. Gerahmt von Bachmotetten erklingen u. a. Chorwerke der im Passauer Konzert anwesenden Komponisten Tobias PM Schneid und Wolfram Buchenberg.

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PNP, 7. November 2017:
Als Olga Scheps James Bond besiegte
Die Pianistin wird gefeiert beim Festival Young Classic Europe im Passauer Rathaussaal
Von HildegardFranz

Ausgerechnet JamesBondhätte beinahe den Klavierabend am Sonntagabend im Passauer Rathaussaal gesprengt: Noch bevor Olga Scheps beim Festival Young Classic Europe in die Tasten greifen konnte, zerriss ein energischer Handy-Klingelton mit der berühmten Filmmusik die konzentrierte Stille. Unbegreiflich allerdings, dass dasselbe Gerät nach einigen Takten der „Wandererfantasie“ Schuberts erneut losging, was die Pianistin sichtlich genervt abbrechen ließ. Umso bewundernswerter, wie sie nach kurzem Durchatmen von vorne begann, noch kraftvoller und trotziger als beim ersten Mal. Diese ärgerliche Unterbrechung hatte freilich zur Folge, dass jeder verschämt das eigene Telefon kontrollierte, und fortan war nur ganz selten Geraschel oder ein unterdrückter Huster im vollbesetzten Rathaussaal zu hören. Es war aber auch zu beeindruckend, was die Pianistin bot: Entschlossen und energisch, aber auch mit großem emotionalem
Ausdruck interpretierte sie die umfangreiche, viersätzige Fantasie Schuberts mit ihren vollgriffigen Akkorden und rauschenden Arpeggien. Schwierig, nach der schier überbordenden Tonfülle Schuberts in die Intimität der drei „Gymnopédies“ Eric Saties zu finden, wo jedem einzelnen Ton der einfachen Melodielinie so viel Bedeutung zukommt – trotz einer irritierenden Unsicherheit im zweiten Stück gelang OlgaScheps eine innige, keineswegs langweilige Interpretation.
Mit den „Jahreszeiten“ und der populären „Nussknacker“-Suite in einer anspruchsvollen Klavierbearbeitung des russischen Pianisten und Dirigenten Mikhail Pletnev präsentierte die Pianistin Auszüge aus ihrer eben erschienenen Tschaikowsky-CD – mit so viel Leidenschaft und Hingabe, dass nach dem pathetischen Schluss-Satz erst nach sekundenlanger, atemloser Stille Applaus aufbrauste.
Drei Zugaben erklatschte sich das begeisterte Publikum: Erst nach Prokofjews hitzig-drängendem Finalsatz der 7. Klaviersonate, der ersten „Gnossienne“ Saties und der Wiederholung des „Nussknacker“-Trepaks durfte die Pianistin nach diesem eindrucksvollen Abend die Bühne verlassen.

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PNP, 21. November 2017:
Aufsteigende Sterne am Pianisten-Himmel
Klavier-Virtuosen in Schloss Freudenhain
Von Toni Daumerlang

Pianistische Bravour-Leistungen und zweistündiges Staunen ohne Ende waren geboten im Rahmen des Abschluss-Konzerts des dreitägigen Klavier-Meisterkurses, der im Rahmen von „Young Classic Europe 2017“ von Prof. Andreas Weber (Salzburg) abgehalten wurde. Dabei kam es – neben durchwegs respektablen Leistungen, die weit über den Rahmen herkömmlicher Vorspiel-Abende hinausgingen – zu Beiträgen junger und jüngster internationaler Teilnehmer, u.a. aus China und Russland, die nicht nur bezüglich der technischen Höchstanforderungen, sondern insbesondere wegen der interpretatorischen Reife des Vortrags der jugendlichen Interpreten (12 bis 20 Jahre!) in höchstes Staunen versetzten.
Sehr angenehm kam bei dem abwechslungsreichen und mit viel Sinn für Wirkung zusammengestellten anspruchsvollen Programm zum Tragen, dass fast jeder der Teilnehmer – selbstredend auswendig – zwei unterschiedliche Werke aus Klassik (Beethoven/Mozart), Romantik (Chopin/Liszt), Impressionismus (Debussy) oder Moderne (J. Turina) vortrug, sodassmandie jeweiligen Solisten in der Interpretation verschiedenster Musikstile kennenlernen konnte. Für alle Solisten indes gilt uneingeschränkt, dass das Niveau des Abend nicht nur in puncto Technik (Liszt, Chopin), sondern insbesondere vor dem Hintergrund des jugendlichen Alters und der interpretatorischen Reife der Werke manchem Musik-Star am Pianisten-Himmel in nichts nachstand.
Übrigens: Nachdem im Rahmen dieser Kritik nicht jede einzelne Leistung ausführlich gewürdigt werden kann, muss man sich auf einige wenige Highlights beschränken, ohne die namentlich nicht extra Erwähnten gering zu schätzen.
Das Staunen begann schon bei den ganz Jungen, wenn etwa die zierlich-zarte Olga Rasskazova (10 Jahre ) aus Moskau mit zupackender Energie und großer Persönlichkeit den 1. Satz aus Mozarts Sonate C-Dur ( „Sonata facile“/Allegro) absolut fehlerfrei und mit überzeugender Ausstrahlung auf die Tasten zauberte. Wenn dann gar Curtis Hsu (China) voller Verve und perfekt wie ein Großer ohne die geringste Nervosität Beethovens durchaus vertrackte Sonate C-Dur, op. 2/Nr. 3 inatemberaubendem Tempo in den Steinway hämmerte, schien man zu vergessen, dass hier ein erst 12-Jähriger das Werk interpretierte. Dieser Curtis Hsu entpuppte sich mit dem später interpretierten Chopin-Scherzo op.31, Nr. 2, bmoll, unweigerlich zu einem der an Höhepunkten wahrlich reichen Knaller des Abends und versetzte damit die Zuhörer schon frühzeitig erkennbar in echte Begeisterung. Drei Solisten des Abends verdienen es allerdings, wegen ihrer absolut herausragenden und phänomenalen Leistungen extra herausgehoben zu werden, da sie nach meiner Überzeugung – mit etwas Fortune – innerhalb der nächsten zehn Jahre das Zeug zu einer großen internationalen Karriere haben sollten: Lilian Xie (China/18 Jahre) begeisterte sowohl mit seiner vor der Pause interpretierten halsbrecherisch-virtuosen „Rigoletto“-Paraphrase von Liszt als auch zwei selbst von großen Pianisten zu Recht gefürchteten Chopin-Etüden, insbesondere der in circensischer Art interpretierten Etüde a-moll, op. 10/Nr. 2. Der wohlgemerkt erst 12-jährige Curtis Hsu seinerseits faszinierte nicht nur mit seiner Beethoven-Sonate, sondern setzte mit Chopins Scherzo einen weiteren Glanzpunkt des Abends. Zum unbestrittenen Star des Abends allerdings entwickelte sich Ziming Ren aus China (20 Jahre), der sich nicht nur mit seiner tief beeindruckenden Interpretation des ersten Satzes von Beethovens Sonate d-moll (op.31/Nr .2), sondern vor allem mit seiner furios-bombastischen „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“ von Franz Liszt zum viel umjubelten Endpunkt eines faszinierenden Klavierabends in die Herzen der Zuhörer spielte.
Langanhaltender, ja fast frenetischer Beifall des erkennbar sachkundigen Publikums dankte den Solisten und ihrem zu Recht gefeierten künstlerischen Leiter Prof. Andreas Weber (Salzburg), für einen begeisternden Abend, den sich leider allzu viele entgehen ließen.

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PNP, 28. November 2017:
Fleißig und begabt
Symphonisches Abschlusskonzert von Young Classic Europe in Passau
Von Christiane Schmid

Hinreißende Musizierlust und höchst beeindruckendes Können machten das Abschlusskonzert des 20. Jugendmusikfestivals zur reinen Freude. Mit Pauken und Trompeten eröffnete das Sinfonieorchester des Musischen Gymnasiums Salzburg den Abend mit der Ouvertüre zu Mozarts letzter Oper „La clemenza di Tito“, die aber gleich nach den festlichen Eingangsfanfaren umschlägt in eine fein ausdifferenzierte Miniatursymphonie.
Man kann dem Gymnasium nur gratulieren zu seinem musischen Gesamtkonzept und seinem höchst inspirierenden Orchesterchef Markus Obereder mit seinen vielen fleißigen und begabten jungen Musikern. Der Klang war intonationsrein, frisch, gespannt und direkt, wobei der kräftige Zugriff insgesamt ein wenig die Mozartsche Feinnervigkeit vermissen ließ. Die vielfach preisgekrönte Schweizer Cellistin Nadège Rochat kam zum dritten Mal zum Festival, und man spürte tiefes musikalisches Einverständnis zwischen ihr, dem Orchester und seinem Leiter. Das einsätzige, in sich dreigeteilte Cellokonzert von Camille Saint-Saëns ist eher von kühlem, rationalem Geist. Unter den Händen der in sich ruhenden Künstlerin entstand eine natürliche, entspannte, nie auftrumpfende, wie selbstverständliche Klangrede. Ihre warme, schlanke Tongebung verband sich aufs Schönste mit dem sensibel reagierenden Orchester, das mühelos technisch mithalten konnte. Ihr Ton verschmolz geradezu mit dem Orchesterklang, um dann wieder nervig und mit glutvollen Farben hervorzutreten. Virtuos und auch träumerisch die Zugabe von Gaspar Cassadò.
Zur phänomenalen Glanzleistung des Orchesters und Markus Obereders wurde die fast einstündige 9. Symphonie e-Moll „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák. Die Fragen nach amerikanischer „Nationalmusik“, nach eventueller Inspiration durch Rhythmen oder Tänze der indianischen Ureinwohner oder Spirituals der Schwarzen – all das spielte keine Rolle mehr. Schwärmerisch hingebungsvoll, elegant und auch hochdramatisch, dabei dynamisch bis an die äußerste Grenze gehend gestalteten die jungen Musiker das populäre
Werk – ein reines Stück Musik. Chapeau!

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PNP, 29. November 2017:
Lutherlieder und Leidenschaft
Podiumsdiskussion von „Young Classic Europe“ thematisiert die Reformation und ihreAuswirkungen auf die geistlicheMusik
VonTheresia Wildfeuer

Die Reformation hat die geistliche Musik stark geprägt, auch dank Martin Luther, der vor allem durch deutsche Texte und Volksliedmelodien erfolgreich war. Das ist eine Erkenntnis der Podiumsdiskussion zum Thema „Die Reformation und ihre Auswirkungen auf die geistliche Musik in Europa“ mit Musikdirektor Basil ColemanvomLandestheater Niederbayern,
dem evangelischen Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz, Heinz-Walter Schmitz, Diözesankirchenmusikdirektor a.D. und Organistin AliceConradi.
Martin Luther habe die deutsche Sprache im Gottesdienst eingeführt und Glaubensinhalte mit Musik transportiert, vor allem dem Choral als ein Kernelement sagte Ralf Albert Franz. Das Kirchenlied habe mit der Reformation einen neuen Stellenwert erhalten. Luther habe aber nicht alles über den Haufen geworfen. Er habe durch seine „Zutaten“ zur katholischen Kirchenmusik dafür gesorgt, dass sich neue Formen wie Kantate und Oratorium entwickeln konnten. Er habe Melodien von Kinderliedern verwendet und dem Volk „aufs Maul geschaut“, deshalb sei sein Liedgut erfolgreich gewesen. Heute würden auch neue geistliche Lieder und Pop-Rhythmen beim Gottesdienst erklingen. Das kirchenmusikalische Angebot sei gut, die Konkurrenz an Freizeitangeboten aber groß. Die Gesangsbücher würden heutzutage immer dicker, sagte Heinz-Walter Schmitz. Vielfalt könne aber auch Verlust bedeuten, war er sich mit Basil Coleman einig. Schmitz berichtete über eine bedeutende Sammlung liturgischer Gesänge für den Gottesdienst im Kirchenjahr, die vor der Reformation von 1517 in Passau entstand und in Wien editiert wurde. Choräle seien in der katholischen Kirche nur in Form des gregorianischen Gesangs bekannt gewesen. Inzwischen könne man sich aus einem reichen Schatz der lutherischen und calvinistischen Tradition bedienen, zum Beispiel dem Genfer Psalter, der 150 Psalmender Bibel in Liedform enthält.
Luther wollte mit Hilfe der Lieder Gottes Wort unter die Menschen bringen, fand Alice Conradi. Auf die Frage von Moderator Gerald Hetzel, ob Protestanten Vorbild für Katholiken seien, antwortete sie, sie sei aus Überzeugung Vorbild, genieße die Ökumene in Passau, die eine reiche Gemeinschaft sei und könne viel von den Katholiken im Umgang mit Musik lernen. Es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen, betonte Franz. Conradi wünschte, wieder mehr Lutherlieder zu hören. Kirchenmusik solle den Zugang zu den Menschen nicht verlieren. In Gottesdiensten mit amerikanischer Musik fühle sie sich fremd.
Die Musik der anglikanischen Kirche in England sei eine Mischung aus verschiedenen Einflüssen der katholischen und evangelischen Kirche, erzählte Basil Coleman. Der Choral sei ein wichtiger Teil davon. Wundervoll und eine Besonderheit sei der „Evensong“, eine Art Gottesdienst als gemeinsames Abendgebet. Er bedauerte, dass in seiner Wahlheimat Schärding in den Kirchen kaum jemand singe. Schwung und Begeisterung fehlten. „Es fehlt an Eros“, bestätigte Pankraz Freiherr von Freyberg und antwortete damit auf die Frage, warum trotz des gutenmusikalischen Angebots die Kirchen sonntags oft nicht mehr voll seien. Es werde in Familien und Schule kaum mehr gesungen. Man sehe fern statt zu singen. In den ärmsten Familien in Afrika sei mehr Heiterkeit zu spüren als hierzulande, wo es den meisten Menschen gutgeht. Man könne dafür mit einem Lied danken. In der Weihnachtszeit biete sich Gelegenheit, den Gesang zu pflegen und mit Emotionen zu verknüpfen, sagte Schmitz.

Die 19-jährige Malina Ciobanu ausRumänien, die in Berlin an der Barenboim-Said-Akademie studiert, umrahmte die Diskussion mit virtuosem Spiel auf der Violine. Ausdrucksstark und virtuos präsentierte sie Solo-Sonaten von Bach.


Vielen Dank an die Passauer Neue Presse für das Zuverfügungstellen der Artikel.